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Betty Paoli

Der Name des Glücks – Lyrikerin, Novellistin, Journalistin und Übersetzerin

Betty Paoli
Lithografie von August Prinzhofer

Ihr Bezug zu Baden:

* 30. Dezember 1814 in Wien; † 5. Juli 1894 in Baden bei Wien

Eigentlich hieß sie Barbara Elisabeth (Anna) Glück – doch weitaus bekannter ist sie uns heute unter dem Namen Betty Paoli. Dass sie die leibliche Tochter des Fürsten Esterhazy war, wusste ihre um einiges erfolgreichere Kollegin Maria von Ebner-Eschenbach zu berichten. Das Leben schlug auch bei ihr zu: da der Vater früh starb, sorgte Paoli noch als Teenager bereits für ihren eigenen Lebensunterhalt. So verschlug es die junge Dichterin als Erzieherin zunächst nach Russland und etwas später nach Polen. Im Haus des Philanthropen Josef Wertheimers machte die Frau erste literarische Bekanntschaften – denn hier gingen Größen wie Franz Grillparzer, Nikolaus Lenau, Leopold Kompert, Hieronymus Lorm, Ernst von Feuchtersleben und Ottilie von Goethe – aber auch der wunderbare Dichter Adalbert Stifter selbst ein und aus. Wen wundert es, dass die junge Frau ihr erstes Buch, das den einfachen Namen „Gedichte“ trägt, Nikolaus Lenau widmete? Was folgte, waren inspirierende Zeiten: So arbeitete Betty Paoli 1843 bis 1848 als Gesellschaftsdame der Fürstin Maria Anna Schwarzenberg und begleitete sie auf ihren Reisen – unter anderem nach Deutschland, wo sie Bettina von Arnim kennen lernte. Nach dem Tod der Fürstin versuchte Paoli in Deutschland als Journalistin Fuß zu fassen – sie schrieb unter anderem für die Zeitungen Lloyd und die Presse sowie in anderen Prager und Wiener Zeitungen – kehrte aber Anfang der 1850er Jahre nach Wien zurück und arbeitete weiterhin als Gesellschafterin. Doch auch als Übersetzerin war Paoli tätig: So übertrug sie unter anderem Werke von Alexander Puschkin und Iwan Turgenjew in die deutsche Sprache. Zu ihren Werken zählen unter anderem die Gedichte „Romanzero“, die Bettina von Arnim gewidmet sind, und 1850 „Neue Gedichte“. Mit einfühlsamen Gedichten und kritischen Aufsätzen wurde Betty Paoli zu einer wichtigen Figur der frühen Frauenbewegung. Ihre Gedichte fanden bei ihren Zeitgenossen höchste Anerkennung- und sogar Adalbert Stifter äußerte sich wie folgt über Paolis Band „Nach dem Gewitter “:

„Das Weib ist durch und durch Genie, und es fehlt nur noch an Ruhe und Besonnenheit“.

Doch das Leben schlug erneut zu: Bald schon erkrankte Paoli an einem starken Nervenleiden – und so zog sie sich ab Mitte Mai 1894 in Baden zur Kur zurück. Dort bewohnte sie bis zum Tod ein kleines Gartenhäuschen in der Albrechtsgasse 23 nahe des Schlosses Weilburg. Wer die Schwingung der Dichterin spüren möchte, der kann ihr Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof besichtigen – oder ganz einfach ihre Gedichte lesen!

Flammwind: die
Worte sind

deine Kinder,
Betty

bescheiden
nennst du sie einfach

Gedichte
setzt Segel

ins Nichts hinaus
zu fahren:

Flammwind

(Sophie Reyer)

von Sophie Reyer

Quelle:

  • Foto: Lithografie von August Prinzhofer, Foto einer Originallithographie der Albertina (Wien); Foto Peter Geymayer (Wikimedia Commons)
  • J(akob) H(einrich) Hirschfeld: Frauen-Galerie. Betty Paoli. In: Die Hausfrau. Blätter für Haus und Wirthschaft, Beilage Der Damen-Salon, Organ für die gesammten Frauen-Interessen, Nr. 1/1877, 22. September 1877, S. 1 f. (Online bei ANNO).

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